Felix Homann - Partner Novum Capital

„Schnäppchen – das ist in unserem Geschäft wirklich ein ober­fläch­licher Begriff.“

08. April 2021

Die Frankfurter Private Equity-Gesellschaft Novum Capital ist in der Erfolgsspur. Novum Capital-Partner Felix Homann über den Private Equity-Markt in der Coronakrise, die Novum Capital-Strategie, reizvolle Defizite und (vermeintliche) Schnäppchen-Deals.

Dieses Interview ist in stark verkürzter Form am 23. März 2021 vorab auf FYB Financial Yearbook erschienen.

Herr Homann, der deutsche Private Equity-Markt hat sich trotz der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 stabil entwickelt. Hatten Sie damit gerechnet?
Felix Homann
: Niemand weiß heute, was morgen passiert. Das gilt auch mit Blick auf ein Jahrhundert-Ereignis wie die Coronakrise. Klar ist dagegen, dass die Zukunft nun noch weniger planbar geworden ist, als sie es ohnehin schon war. Dies erschwert die Chance-Risiko-Prognosen von Private Equity-Investoren und führt in Einzelfällen dazu, dass Investoren und potenzielle Verkäufer keine Schnittmenge finden. Grundsätzlich ändert die Coronavirus-Pandemie jedoch nichts an der Arbeitsweise von Novum Capital.

Welche PE-Markt-Entwicklung erwarten Sie für 2021?
Klassische Firmenkäufer – ob Private Equity-Fonds oder Konzerne – haben nach wie vor sehr viel Geld. Vor allem deshalb erwarte ich weiterhin viele Transaktionen in Deutschland. Vielleicht nimmt der Deal Flow sogar zu, weil infolge der Wirtschaftskrise mehr Firmen frisches Eigenkapital brauchen und Konzerne die Veräußerung von nicht zum Kerngeschäft zählenden Geschäftsfeldern beschleunigen.

Und dann kommen Sie mit Ihren Novum Capital-Fonds.
Kommt drauf an. Vergessen wir nicht, dass die Zukunft vieler Kaufkandidaten insbesondere in zyklischen Branchen wegen der Coronakrise deutlich unsicherer, die Kaufpreise oft aber immer noch relativ hoch sind. Wie gesagt: Wir hinterfragen sehr kritisch, welche uns zum Kauf angebotenen Unternehmen wir erwerben möchten. Doch es bleibt natürlich dabei: Wir können und wollen ein vorteilhafter Gesellschafter mittelständischer Unternehmen sein. Unser Auftrag ist, zu investieren – auch in schwierigen Zeiten.

Wenn Private Equity-Unternehmen sehr viel Geld haben: Wo ist dann das Problem, wenn die Transaktionspreise hoch sind?
Je höher der Preis für ein Unternehmen ist, desto ambitionierter müssen die Businesspläne sein, mit denen das Unternehmen die Renditeerwartungen der Investoren – zunächst theoretisch – erfüllen kann.

Sind ambitionierte Businesspläne etwa schlecht?
Nicht grundsätzlich. Doch wenn die Ambitionen überhandnehmen, steigt der Druck auf das Management und die gesamte Belegschaft enorm. Und wenn Businesspläne scheitern, weil sie überambitioniert waren, müssen das alle Beteiligten ausbaden: die Mitarbeiter, die Kreditgeber, die Fonds-Manager und deren Geldgeber, Pensionsfonds und Versicherungen zum Beispiel.

Ein gefährlich hohes Risiko wegen zu hoher Kaufpreise nützt letztlich niemandem?
Doch, dem Verkäufer. Aber es geht ja wohl nicht nur um ihn.

„Ein vermeintlich günstiger Ein­stiegs­mul­ti­pli­ka­tor kann sich ganz schnell als teurer Fehler erweisen.“

 

Bleiben wir auf der Käuferseite: Novum Capital geht also lieber auf Schnäppchenjagd?
Was soll das sein, ein Schnäppchen? Ob der Preis für ein Unternehmen ein sogenanntes Schnäppchen war, zeigt sich doch erst beim Verkauf, also Jahre später. Die Fokussierung bei Preisverhandlungen auf einen EBITDA- oder EBIT-Multiplikator, wie es bei M&A-Transaktionen üblich ist, zeigt lediglich ein etwas hilfloses Verlangen nach Objektivität und Rationalität. Ein vermeintlich günstiger Einstiegsmultiplikator kann sich ganz schnell als teurer Fehler erweisen. Wir kaufen zu Preisen, die wir für angemessen halten. Das Wort „Schnäppchen“ ist uns fremd.

Es heißt, Novum Capital hätte schon lohnende Schnäppchen gemacht.
Wir haben noch nie Schnäppchen gemacht – auch wenn es beim Verkauf eines Portfoliounternehmens im Rückblick für Außenstehende vielleicht so aussieht. In solche Beurteilungen fließt leider nur selten ein, welche unternehmerischen Risiken wir gemeinsam mit den Führungskräften unserer Portfoliounternehmen eingegangen sind, wie viele Nerven wir in Veränderungsprozessen gelassen und wie viel Kapital wir in technologische und betriebswirtschaftliche Verbesserungen investiert haben. Schnäppchen – das ist in unserem Geschäft wirklich ein oberflächlicher Begriff.

Sie suchen Unternehmen für das Novum Capital-Portfolio, die mindestens fünf Millionen Euro an EBITDA pro Jahr erwirtschaften. Das ist nicht allzu viel. Trauen Sie sich größere Unternehmen nicht zu?
Das hat nichts mit „zutrauen“ zu tun, sondern mit Strategie. Wir sind ein Mid Cap-Investor.

Ein Top-3-Unternehmen im Large Cap-Bereich zu erwerben, wäre aufsehenerregend und reputationsfördernd.
Wir haben mit den MMC Studios Köln einen hochmodernen Film- und TV-Studiobetreiber im Portfolio, der zu den Top 3 in Europa gehört. Und wir waren 100-prozentiger Gesellschafter der Schluckwerder-Gruppe, des größten deutschen Marzipanherstellers. Wir fördern unsere Reputation mit aussichtsreichen Mid Cap-Deals. Da sehen wir mehr Potenzial.

Wo genau sehen Sie mehr Potenzial?
Zunächst: Private Equity-Investoren, die im Large Cap-Segment ein Top-Unternehmen kaufen, zahlen sehr hohe Preise und bekommen dafür unter anderem ein hochqualifiziertes Management, das mit Strategie-Stäben und etablierten externen Strategieberatern bereits einen stark optimierten Businessplan verfolgt. Es handelt sich in aller Regel um „fertige“, vergleichsweise „schwere Tanker“, bei denen Kursänderungen allerdings schwierig sind und lange dauern. Bei Mid Caps dagegen sind hochklassige Manager, hohe Beratungsbudgets, ausgefeilte Strategien und betriebliche Effizienz nicht allgegenwärtig. Sonst wären die meisten zum Verkauf stehenden Unternehmen wohl kaum im Angebot. In den genannten Defiziten liegt das Gestaltungs- und Wertsteigerungspotenzial, das wir suchen.

„Wir sind zufrieden mit der Schluck­werder-Trans­aktion. Und Valeo Foods ist es auch. Jetzt nehmen unsere irischen Geschäfts­partner ein paar Marzipan-Pfunde zu.“

 

Die Schluckwerder-Gruppe haben Sie im Januar 2021 an den in Dublin ansässigen Lebensmittelkonzern Valeo Foods verkauft. Sind Sie zufrieden mit dem Deal
Ja, sonst hätten wir ihn nicht gemacht. Wir hatten mit dem Schluckwerder-Erwerb eine Nachfolgeregelung für den langjährigen Inhaber realisiert, die die Zukunft des Unternehmens an den Werksstandorten in Adendorf und Lübeck gesichert hat. Das von uns eingesetzte neue Management hat die Strukturen professionalisiert und die Mitarbeiter neu motiviert. Im Corona-Krisenjahr 2020 hat Schluckwerder erstmals in seiner 175-jährigen Firmenhistorie mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet. Damit war unsere Aufgabe erfüllt. Wir sind zufrieden mit der Transaktion – und Valeo Foods ist es auch. Jetzt nehmen unsere irischen Geschäftspartner ein paar Marzipan-Pfunde zu. (lacht)

Was, außer Entertainment und Süßes, reizt sie noch im Mid Cap-Segment?
Müllverbrennungsschlacke zum Beispiel. Bis Mitte Februar 2021 hatten wir einen führenden Verarbeiter von solchen Schlacken im Portfolio. C.C. Umwelt haben wir ebenfalls an einen strategischen Investor verkauft – an die Blue Phoenix-Gruppe, die zum PE-Investor Waterland gehört. Wir sind nicht auf bestimmte Branchen festgelegt. Uns reizen Gestaltungschancen in vielen Branchen.

Novum Capital ist bekannt als Investor auch für schwierige Fälle. Was sind schwierige Fälle für Sie?
Zum Beispiel Carve-outs von Konzerneinheiten in Krisenphasen und Mittelständler in Struktur- und Ertragskrisen, deren Probleme klar identifizierbar sind und die wir für lösbar halten. Wir trauen uns auch sehr komplexe, undurchsichtige und praktisch führungslose Unternehmen zu. Am meisten Spaß machen uns aber Wachstumsunternehmen.

Was bieten Sie Unternehmen – außer Eigenkapital?
Novum Capital ist erfahren darin, unterschiedlichste Unternehmensprobleme zu lösen und Erfolgsstrategien mitzugestalten. Und wir haben die Kapazitäten, neben Kapital auch Know-how einzubringen. Gerade bei kleineren Unternehmen können wir sehr viel in relativ kurzer Zeit beitragen, um diese Unternehmen zu erhalten, ihre Expansion zu fördern und letztlich ihren Wert nachhaltig zu steigern.

Was bewegen Sie in Portfoliounternehmen konkret, um deren Wert zu steigern?
Konkret erfahren das nur die Top-Manager unserer Portfoliounternehmen.

Und finden die Top-Manager Ihre Ideen immer gut?
Mal so, mal so. Letztlich harmonieren wir und haben Erfolg. Erfolgreiche Arbeit geht nur miteinander.

„Die Di­gi­ta­li­sie­rung ist für viele Mid Caps nicht nur ein Risiko, sondern auch eine Chance. Und diese Chance wollen wir nutzen.“

 

Die Coronakrise gefährdet den Erfolg vieler Firmen. Sehen Sie derzeit weitere übergeordnete Risiken?
Die Digitalisierung ist natürlich ein Riesenthema. Früher haben wir routinemäßig nach dem „China-Risiko“ gefragt, also ob chinesische Wettbewerber ein deutsches Mid Cap-Geschäftsmodell erfolgreich angreifen können. Heute fragen wir uns das vor allem mit Blick auf digitale Disruptoren. Wobei die Digitalisierung für viele Mid Caps nicht nur ein Risiko, sondern auch eine echte Chance ist. Auch diese Chance wollen wir nutzen.

Warum sollten mittelständische Unternehmen Novum Capital als Investor aussuchen?
Wie gesagt: Wir bieten Kapital, Know-how und Erfahrung. Und wir lieben Produktinnovationen, Internationalisierungsstrategien, Kosteneffizienz und Zukäufe. Das sind Themen, für die ambitionierte Mid Cap-Manager, die wir übrigens gern am übernommenen Unternehmen beteiligen, ebenfalls brennen sollten. Das Novum Capital-Team ist ein leidenschaftlicher, erfolgshungriger und gleichgesinnter Partner der Portfoliounternehmen. Das haben wir inzwischen reichlich bewiesen. Und die Zusammenarbeit mit uns kann richtig Spaß machen.

Sagen Sie.
Ich kenne noch einige mehr.

Wie viele Deals streben Sie 2021 an?
Dieses Jahr haben wir, wie erwähnt, schon zwei Verkäufe realisiert: den Krefelder Schlackenverwerter C.C. Umwelt und den Marzipanhersteller Schluckwerder. Wenn 2021 noch zwei Käufe hinzukämen, wären wir im Plan. Natürlich würden wir diesen Plan gerne übererfüllen. Mit unserem neuen Fonds stehen uns 150 Millionen Euro an Eigenkapital für vier bis sechs Transaktionen zur Verfügung.

Wenn Sie für 2021 noch einen Wunsch frei hätten – welcher wäre das?
Ich möchte endlich mal wieder ein Closing mit allen Beteiligten in einem Lokal feiern.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Mario Müller-Dofel.

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