Dieter Kersting, Geschäftsführer der C.C. Gruppe

C.C.-Chef Dieter Kersting über Novum Capital – und mehr

18. Juni 2021 | 7 Min. Lesezeit

Im Februar 2021, vor rund 100 Tagen, hat der Krefelder Schlackenaufbereiter C.C. Umwelt einen neuen Gesellschafter bekommen: den in Rotterdam (Niederlande) ansässigen Schlackenverwerter Blue Phoenix. Das Unternehmen hatte C.C. Umwelt vom Frankfurter Finanzinvestor Novum Capital übernommen. Im Interview schaut C.C.-Geschäftsführer Dieter Kersting (63) zurück – und nach vorn.

(Dieses Interview ist zuerst auf der Website der C.C. Gruppe erschienen. Danke an die Geschäftsführung, dass wir das Interview auch hier veröffentlichen dürfen.)

Herr Kersting, im Februar 2021 hat die C.C. Gruppe zum zweiten Mal seit 2018 einen neuen 100-prozentigen Gesellschafter bekommen. Wie sehen Sie die relativ kurz aufeinander folgenden Eigentümerwechsel heute?
Dieter Kersting: Ganz klar positiv. Im Jahr 2020 haben wir das 50-jährige Bestehen der C.C. Gruppe gefeiert. Schon da waren wir in unserem Markt besser positioniert als vor der Übernahme durch Novum Capital. Für die Unternehmensentwicklung hin zu einem erfolgreichen Unternehmen mit inzwischen sieben Standorten in Deutschland war Novum sehr wichtig. Und natürlich unsere mittelständische DNA. Und jetzt entwickeln wir uns mit Blue Phoenix weiter.

Bleiben wir zunächst bei Novum Capital. Finanzinvestoren wie Novum haben in der Öffentlichkeit nicht immer das beste Image. Wie sehen Sie das?
Ich denke sehr gerne an die gemeinsame Zeit zurück. Novum Capital hat uns drei Jahre lang intensiv und positiv begleitet. Unter anderem konnten wir viel Geld in technologische Innovationen investieren. Sehr wichtig war auch die Konzentration aufs Kerngeschäft. Dazu hat Novum Capital uns regelrecht gedrängt – und zwar völlig zu Recht. Davor hatten wir uns zu viel mit Randthemen befasst.

Was meinen Sie genau?
Bevor Novum Capital unser Gesellschafter wurde, haben wir nicht nur Müllverbrennungsschlacken aufbereitet und Filterstäube in Versatzbergwerke verbracht, sondern waren unter anderem auch Schrotthändler im großen Stil. Davon haben wir uns mit klarer Rückendeckung von Novum Capital gelöst und uns auf Schlacken, Filterstäube und Mineralik konzentriert. Denn so wie C.C. ein Schlackenspezialist ist, gibt es auch Schrottspezialisten. Dazu gehören wir nicht.

Wie haben Sie diese strategischen Veränderungen empfunden? Immerhin arbeiten Sie seit mehr als 30 Jahren bei der C. C. Gruppe und haben auch die Randthemen mitgetragen.
Als es mit Novum Capital darum ging, das Schrottsegment abzugeben, musste ich schon erstmal schlucken. An solchen Entscheidungen hängen schließlich auch Menschen. Aber es ist ein bisschen wie beim Fußball: Wenn ein Spieler nicht ins Gefüge passt, wechselt er früher oder später den Verein. Meist ist das gut für alle Beteiligten.

Auch für die Beteiligten aus der C.C.-Belegschaft?
Das Unternehmen, das unsere Schrottaktivitäten übernommen hat, hat auch alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen übernommen. Wir haben die Veränderungen so gelöst, dass letztlich alle zufrieden sein konnten: Die Beschäftigten, das C.C.-Management und der Gesellschafter.

Bleiben wir noch kurz beim Fußball: Wenn sich die Mannschaft verändert, verändert sich oft auch das Spielsystem. War es bei Ihnen mit Novum Capital als Gesellschafter auch so?
Ja, vor allem, weil wir vorher manche Aspekte moderner Unternehmensführung nicht so umgesetzt haben, wie wir es hätten tun sollen. Gemeinsam mit Novum hat das C.C.-Management neben den technologischen Möglichkeiten auch die Organisationsform, betriebswirtschaftliche Abläufe, das Rechnungswesen und die Compliance modernisiert.

Gut für die Blue Phoenix Group, oder?
Na klar. Von alldem profitiert nun auch der Nachfolger von Novum Capital als C.C.-Gesellschafter. Zum Beispiel ergänzen sich unsere Schlackenaufbereitungstechnologien hervorragend.

„Schon die ersten 100 Tage mit Blue Phoenix als neuem Gesellschafter haben gezeigt, wie groß unsere Synergien sein können.“

 

Inwiefern?
Zum Beispiel haben wir mit unserer „Stratego“-Anlage eine Weltneuheit geschaffen. Sie hebt die Aufbereitung von Nichteisenmetallen aus Müllverbrennungsschlacken, den sogenannten NE-Metallen, auf ein ganz neues Niveau. Blue Phoenix nutzt ähnliche Aggregate – und nun kombinieren wir beide Technikansätze. Schon die ersten 100 Tage mit Blue Phoenix als neuem Gesellschafter haben gezeigt, wie groß unsere Synergien sein können.

Synergien welcher Art?
Bleiben wir beim Austausch von Technologiekompetenz: Dadurch verbessern wir die Ausbeute unserer Schlackenaufbereitungsanlagen und die Qualität der Metalle, die wir aus den Schlacken wiedergewinnen, nochmals. Es geht aber beispielsweise auch um Lagermanagement. Der Austausch ist spannend und wir lernen voneinander.

Warum ist Lagerplatzmanagement so wichtig?
Da muss ich etwas ausholen: Der verbrannte Hausmüll kommt zunächst als bis zu 1 000 Grad heiße Schlacke aus der Müllverbrennung. Diese wird mit Wasser abgelöscht und dann bringen Lkw sie zu unseren Lagerplätzen. Dort trocknet die Rohschlacke, damit sie nicht in den Anlagenaggregaten kleben bleibt. In der Schlacke entsteht eine endotherme Reaktion, sie wird also in sich warm. Kluges Lagerplatzmanagement richtet sich nach er Art dieser endothermen Reaktion. Druck spielt ebenfalls eine Rolle.

Welche?
Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich je nach Schütthöhe der Schlacke am Lagerplatz im Idealfall eine Temperatur von 40 oder 30 oder 20 Grad entwickelt. Abhängig von diesen Temperaturen und dem jeweiligen Druck lässt sich die Metallausbeute in unseren Anlagen verbessern. Das ist eine Wissenschaft für sich. Und unsere Erfahrungen damit teilen wir mit unserem neuen Gesellschafter Blue Phoenix. Der Austausch ist wertvoll – für beide Partner.

Wie haben sich die Beschäftigten der C.C. Gruppe auf den neuen Gesellschafter eingestellt?
Wie Novum Capital bezieht auch Blue Phoenix uns sehr gut ein. Und den Gesellschafter-Typ kennen wir schon. Auch Blue Phoenix ist ein Finanzinvestor, hinter dem unter anderem Pensionsfonds stehen. Die Vorgehensweisen von Novum Capital waren intern akzeptiert. Umso mehr ist es nun bei Blue Phoenix so.

Umso mehr? Warum das? Das ist doch nicht zwangsläufig so.
Na ja, eigentlich schon. Denn Blue Phoenix ist nicht nur ein Finanz-, sondern auch ein strategischer Investor mit einer sehr guten Position in unserem Markt: mit gewaltigem technischem Knowhow und einer Vielzahl von Standorten weltweit.

Und wie ist es extern, also bei Ihren Kunden, insbesondere den Müllverbrennungsanlagenbetreibern?
Genauso. In den Tagen des Übergangs von Novum Capital zu Blue Phoenix haben wir so viele Kunden wie möglich persönlich informiert. Das Feedback war überwältigend positiv. Und wir sind überzeugt davon, dass es so bleibt.

„Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft werden immer wichtiger. C.C.-Kunden können sich darauf verlassen, dass sie ihre Zukunft gemeinsam mit uns erfolgreich gestalten können.“

 

Worauf legen Ihre Kunden besonderen Wert?
Unsere Kundschaft hat einen seriösen und eher konservativen Anspruch. Sie erwartet eine hohe Kerngeschäftskompetenz, eine sichere Finanzbasis und technologische Innovationen. Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft werden schließlich immer wichtiger. C.C.-Kunden können sich darauf verlassen, dass sie ihre Zukunft gemeinsam mit uns erfolgreich gestalten können.

Was haben Ihr neuer Gesellschafter Blue Phoenix und Sie gemeinsam vor?
Vor allem wollen wir uns qualitativ weiter verbessern. Mit der Schlackenaufbereitungsanlage „Stratego“ haben wir gezeigt, dass wir Innovationen erfolgreich umsetzen und Kunden ein noch besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten können. Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft in der Schlackenverwertung ist übrigens in einigen anderen europäischen Ländern längst nicht so verbreitet wie in Deutschland. Deshalb möchten wir unser Knowhow künftig an weiteren in- und auch ausländischen Standorten einsetzen.

Zudem denken Sie über die Verwertung von Restschlacken nach. Richtig?
So ist es. Bisher setzen unsere Kunden aufbereitete Schlacken vor allem im Deponie-, Straßen- und Wegebau ein. Schlacken sind aber auch höherwertig nutzbar.

Wie denn?
Hierzu verrate ich noch nichts. Grundsätzlich möchten wir immer dazu beitragen, dass vermeintlicher Abfall wiederverwendet wird, um natürliche Ressourcen zu schonen.

Sie sind seit mehr als drei Jahrzehnten bei der C.C. Gruppe tätig. Haben Sie nicht irgendwann einmal genug?
In Rente bin ich doch am Wochenende! (Lacht) Solange ich fit bin und die Arbeit mir Spaß macht, möchte ich der C.C. Gruppe treu bleiben. Das darf von mir aus noch drei, vier oder fünf Jahre so sein. Ich bin weiter hungrig nach Erfolg mit unserem Unternehmen. Und überhaupt: Satt? Das kennen wir von C.C. nicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview wurde geführt von Mario Müller-Dofel.

Besuchen Sie hier die Website der C.C. Gruppe.

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